Mit Licht nach Polen

Geschrieben von Pomerania Geschäftsstelle
Pkw-Fahrer müssen bei Ausflügen ins Nachbarland künftig immer die Scheinwerfer einschalten
--Von ddp-Korrespondent Jörg Schreiber-- Frankfurt (Oder)/Gorzow (ddp-lbg). Autofahrer, die schon mal im Herbst oder Winter auf die Grenzmärkte oder zu Ausflügen nach Polen gefahren sind, kennen das: Zwischen 1. Oktober und Ende Februar muss im Nachbarland seit langem auch tagsüber mit Licht gefahren werden. Diese Pflicht wird jetzt auf das gesamte Jahr ausgedehnt, wie Marek Waraksa von der Polizeipressestelle der westpolnischen Grenzwojewodschaft Lebuser Land in Gorzów (Landsberg) sagt. Am Dienstag (17.04.2007) trete in Polen eine Änderung des Straßenverkehrrechts in Kraft, wonach auch im Frühjahr und Sommer mit Abblendlicht gefahren werden muss.

Daher sollten deutsche Autofahrer künftig selbst bei kurzen Touren über die Grenze zur Billig-Tankstelle oder zum Basar immer die Scheinwerfer einschalten. Andernfalls drohen Strafmandate, die nach Angaben der polnischen Polizei 100 Złoty (etwa 26 Euro) kosten. Es werde von Anfang an verstärkte Kontrollen des Lichtfahrgebots geben, kündigt Waraksa an.

Allerdings wollen die Gesetzeshüter in den ersten Tagen von Strafen absehen. Vergessliche Kraftfahrer würden darauf hingewiesen, das Licht einzuschalten, und könnten dann weiterfahren, sagt der Sprecher. Wie viele Tage diese Schonfrist dauern wird, ist allerdings offen. Polen verspricht sich von der neuen Regelung sinkende Unfallzahlen. Zuvor hatten bereits zahlreiche andere europäische Länder wie Tschechien, Österreich und die skandinavischen Staaten die Lichtpflicht eingeführt.

Kraftfahrer sollten sich bei Abstechern nach Polen generell an die Verkehrsvorschriften halten, weil die Polizei im grenznahen Raum häufig kontrolliert und mit Laserpistolen den Verkehr überwacht. Die Strafen für Raser reichen laut polnischem Bußgeldkatalog von 50 Złoty (rund 13 Euro) bei Tempoüberschreitungen bis zehn Kilometern pro Stunde bis hin zu 500 Złoty (etwa 130 Euro) für Fahrer, die mindestens 50 Kilometer pro Stunde schneller sind als erlaubt. In Polen darf innerorts seit einiger Zeit nur noch mit Tempo 50 gefahren werden, nachts gelten aber weiter 60 Kilometer pro Stunde. Auf Landstraßen mit einer Fahrbahn ist für Pkw und Motorräder Tempo 90 erlaubt, bei zwei Fahrbahnen 100, auf Autobahnen 130.

Wer den Gurt nicht anlegt, zahlt 100 Złoty (etwa 26 Euro), das Handy am Ohr kostet gar 200 Złoty (etwa 52 Euro). Überholen an Fußgängerüberwegen wird mit bis zu 500 Złoty (rund 130 Euro) bestraft. Bei vielen Vergehen wie der Missachtung des Überholverbots oder Vorfahrtsfehlern liegt es im Ermessen der Polizisten, wie teuer ein Strafmandat wird. Mehr als 500 Złoty dürfen aber nicht verhängt werden, wie Waraksa sagt. Wer mehrere Verstöße begeht, also beispielsweise nicht angeschnallt ist und telefoniert, kann mit maximal 1000 Złoty (rund 260 Euro) belangt werden.

So viel Geld sollte der vorsichtige Kraftfahrer immer dabei haben: Denn die Polizei müsse bei Ausländern sofort kassieren, erläutert Waraksa die Gesetzeslage. Wer eine Kredit- oder EC-Karte besitzt, dürfe sich das Geld nach Absprache mit den Polizisten schon mal am Automaten besorgen. Wer gar nicht zahlen kann oder will, wird selbst bei geringen Geldbußen in Polizeiarrest genommen, bis ein Richter entscheidet. Das kann im Einzelfall bis zu 48 Stunden dauern. Es werde aber immer versucht, für die Situation eine Lösung zu finden, sagt Waraksa. So habe der Kraftfahrer die Möglichkeit, Verwandte oder Bekannte anzurufen, die ihm das Geld bringen.



ddp/jjs/mwa

xbg007 15.04 09:56



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